Luftakrobat oder Liebessymbol
Die Wahl zum Vogel des Jahres 2027 startet
Am 8. September startete die öffentliche Wahl zum Vogel des Jahres 2027. Der NABU und sein bayerischer Partner LBV rufen alle Interessierten dazu auf, für ihren Favoriten zu stimmen. Zur Wahl stehen Kolkrabe, Kranich, Mehlschwalbe, Trauerschnäpper und Wasseramsel.
„Die Kandidaten zeigen, wie vielfältig unsere Vogelwelt ist. Jeder der fünf hat es verdient, gewählt zu werden."
Bis zum 15. Oktober, 11 Uhr, kann abgestimmt werden (www.vogeldesjahres.de). Noch am selben Tag wird der Sieger bekanntgegeben. Den Titel Vogel des Jahres gibt es in Deutschland seit 1971. Seit 2021 wird der Vogel in einer öffentlichen Wahl bestimmt.
Jeder der fünf Kandidaten steht für ein wichtiges Naturschutzthema und hat zugleich eine besondere Geschichte in Sachsen.
Der Kolkrabe: „Schwarze Federn, helles Köpfchen!" Der Kolkrabe galt in Sachsen lange als ausgestorben. Mitte der 1950er-Jahre kehrte er allmählich zurück. Heute ist er fast flächendeckend in Sachsen verbreitet. Das ist eine bemerkenswerte Erfolgsgeschichte des Artenschutzes.
Doch die Rückkehr des intelligenten und sozialen Vogels heißt nicht, dass alle Gefahren gebannt sind. Noch immer werden Kolkraben abgeschossen oder vergiftet. Männchen und Weibchen sehen fast gleich aus. Beide tragen ein schwarz glänzendes Gefieder und haben einen kräftigen Schnabel. Mit einer Körperlänge von bis zu 67 Zentimetern ist der Kolkrabe zudem der größte Singvogel der Welt.
Der Kranich: „Allzeit nasse Füße!"
Mit seinem typischen Trompetenruf tritt der Kranich zur Wahl an. Der große Zugvogel bietet in vielerlei Hinsicht ein spektakuläres Bild. Seine eleganten Balztänze im Frühjahr und seine großen Keilformationen beim Vogelzug im Herbst gehören zu den eindrucksvollsten Naturschauspielen.
Sie bauen ihre Nester gut geschützt in knietiefem Wasser, in Mooren, Erlenbruchwäldern oder an verlandenden Teichen. Die intensive Landwirtschaft lässt solche Feuchtgebiete kaum noch zu.
Im Herbst 2025 starben in Deutschland Zehntausende Kraniche an der Vogelgrippe. Die Population hat sich inzwischen wieder stabilisiert. Die Gefahr bleibt aber bestehen. In der Dübener Heide ist seit vielen Jahren die NABU-Arbeitsgruppe Kranichschutz für den Friedens- und Liebesboten aktiv.
Die Mehlschwalbe: „Auf gute Nachbarschaft!" Die Mehlschwalbe hat gleich mit zwei Problemen zu kämpfen. Als Insektenfresser fehlt ihr zunehmend Nahrung und als Gebäudebrüter verliert sie immer wieder Nistplätze durch Sanierungen. Ihre typischen halbkugelförmigen Lehmnester an Hausaußenseiten werden dabei oft entfernt.
Laut sächsischem Brutvogelatlas hat sich der Bestand der Mehlschwalbe seit 1980 halbiert. Auf der Roten Liste ist sie als gefährdet markiert. Der NABU Sachsen setzt sich deshalb besonders für den Erhalt ihrer Nistplätze ein. In den vergangenen zehn Jahren zeichnete er mehr als 1000 Schwalbenfreunde mit der Plakette „Schwalben willkommen" aus.
Der Trauerschnäpper: „Mach Tempo fürs Klima!"
Sein Name klingt wenig freundlich und spielt auf sein schwarz-weißes Prachtkleid. Dabei ist der Trauerschnäpper ein äußerst geschickter Luftakrobat. Häufig fängt er seine Nahrung im Flug, von einer Sitzwarte aus.
Auch er leidet am Insektenschwund. Hinzu kommt ein weiteres Problem: Durch den Klimawandel beginnt der Frühling früher, doch der Trauerschnäpper kann seinen Zugrhythmus nicht im gleichen Tempo anpassen. Deshalb findet er zunehmend weniger geeignete Bruthöhlen und zu wenig Nahrung für seinen Nachwuchs. In Sachsen geht sein Vorkommen rapide zurück.
Die Wasseramsel: „Klarer Bach, klarer Fall!" Die Wasseramsel ist ein außergewöhnlicher Singvogel. Als einzige heimische Singvogelart kann sie tauchen, schwimmen und sogar unter Wasser laufen. Ihr dichtes, überwiegend braunes Gefieder ist optimal an diese Lebensweise angepasst.
Sie brütet vor allem an geröllreichen, schnell fließenden Bächen und Flüssen in Wald- und Berglandschaften – auch in Sachsen. Wo Bäche ein stärkeres Gefälle haben, dringt die Wasseramsel bis ins Vogtlandvorland beziehungsweise Erzgebirgsvorland vor. Ihr Bestand gilt derzeit als ungefährdet

